Von den grausamen Magdeburger Nixen ist die holde Magdeburger Elbjungfer zu unterscheiden: Wie es die Brüder Grimm in ihrer Sammlung deutscher Sagen niederschrieben, erzählte man sich in Magdeburg Geschichten von der schönen Elbjungfer.
Sie käme dann und wann aus dem Fluss herauf in die Stadt und kaufe auf dem Markt ein. Dabei fiele ihre reinliche äußerliche Erscheinung und ihr angenehmes Auftreten besonders ins Auge: Sie sei sauber gekleidet nach Art des Bürgertums, käme mit einem Korb unter dem Arm daher und sei von freundlicher Art. Das Einzige, worin sie sich von den Mädchen der Stadt unterscheide, sei ein nasser Zipfel an ihrer weißen Schürze, so dass derjenige ihre Herkunft aus dem Fluss erkennen könne, der genau hinsehe.
Einst soll sich ein junger Fleischergeselle in sie verliebt haben, und wie das geschah, das erzählen die Magdeburger auf zwei verschiedene Arten.
In einer Version verliebte sich der junge Mann auf dem Markt in die schöne Elbjungfer und ging ihr nach. Er sah sie in die Elbe steigen und wusste nun, wer sie war. Er folgte ihr ins Wasser, vereinbarte aber mit einem Fischer, der am Flussufer stand, ein Zeichen: Wenn nach einiger Zeit ein hölzerner Teller mit einem Apfel aus den Fluten der Elbe herauskomme, dann sei alles gut gegangen. Der Fischer wartete, und schließlich erhielt er eine böse Nachricht aus der Tiefe: Statt des Tellers mit dem Apfel schoss ein roter Blutstrahl aus dem Wasser. Der junge Mann hatte den Tod gefunden.
In einer zweiten Version verliebten sich die schöne Jungfer und der Fleischergeselle ineinander. Die Elbjungfer verabredete mit ihrem Liebsten, sie werde allein in die Tiefe herabsteigen, sich mit ihren Brüdern besprechen und dann ihren Eltern sagen, dass sie einen Menschen heiraten wolle. Der junge Mann wartete am Ufer und sah schließlich zu seiner großen Trauer, dass auf dem Wasser der Elbe Blutflecken erschienen. Die Brüder hatten ihre Schwester ermordet.
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Quellen:
Textquelle:
Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsche Sagen. Vollständige Ausgabe mit den Illustrationen von Otto Ubbelohde. 3. Auflage. Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Hamburg 2021, S. 86-87.
Bildquelle:
Ulli Soak