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Werkleitz Gesellschaft e. V. (Hg.)
Modell und Ruine
Katalog
Deutsch mit englischsprachigem Einleger

Der Katalog zum Werkleitz Festival 2019 »Modell und Ruine«
Das Werkleitz Festival 2019 »Modell und Ruine« nimmt anlässlich des Bauhausjubiläums dessen Erbe aus Sicht aktueller künstlerischer Produktionen in den Blick.

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Testrennstrecke A 9

Testrennstrecke A 9

Carsten Joroch

Hochgeschwindigkeitsrennstrecke A 9

„An Dessau kommt niemand vorbei!“, so lautete der Werbespruch der Stadt in den 90er Jahren. Ich ergänzte dann immer noch im Kopf: „Vor allem nicht bei Stau auf der A 9.“

Noch immer ist der Abschnitt zwischen den Auffahrten Dessau-Ost und Dessau-Süd ein Unfallschwerpunkt. Zwischen Dessau-Süd und Bitterfeld ist die Höchstgeschwindigkeit deshalb heute auf 120 km/h begrenzt. Ironie der Geschichte: Denn genau dieser 22 Kilometer lange, schnurgerade Abschnitt der Autobahn wurde in den 1930er Jahren als Testrennstrecke für Hochgeschwindigkeitsfahrten gebaut. Die Nazis wollten damit den Amerikanern, die ihre Autos noch heute auf Salzseen in Utah testen, Konkurrenz machen. Außerdem sollte dieser Autobahnabschnitt im Notfall als Flugplatz genutzt werden. Aus diesem Grund sehen hier auch die Autobahnbrücken anders aus. Es sind Stahlbogenbrücken ohne Mittelsäule. Ursprünglich gab es in der Mitte der Autobahn auch keine Leitplanke. Ein ­Flugzeug wäre mittig gelandet und hätte mitsamt Flügeln unter den Brücken durchgepasst. Passiert ist das in der Praxis aber nie.

Nach dem Krieg wurde das Autobahnteilstück mitsamt der Auffahrt Dessau-Süd und einem Stück der Bundesstraße noch als Rennstrecke genutzt. 1952 verunglückte hier der damals sehr bekannte und erfolgreiche Rennfahrer Paul Greifzu bei einer Trainingsfahrt tödlich. 1956 fand das letzte Rennen statt. Aufgrund des zunehmenden Verkehrs war es nicht mehr zu rechtfertigen, die Autobahn für Rennen zu sperren.


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Textquelle:

Joroch, Carsten : Dessau und Wörlitz: Die 99 besonderen Seiten der Region, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2017.

Bildquelle:

Carsten Joroch.

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