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Auf seiner Reise weilte Bernhard Beskow auch in Weimar, wo er die Bekanntschaft Goethes machte und an der herzoglichen Tafel eingeladen war. Beskows Sicht auf Weimar um 1820 ist noch heute lesenswert und beeindruckend.

Es ist seltsam, sich an einem Hof aufzuhalten, an dem Literatur, die schönen Künste und die Bildung fast das einzige Gesprächsthema sind.

Auf dem ehemaligen Schlachfeld von Lützen

Auf dem ehemaligen Schlachfeld von Lützen

Bernhard von Beskow

Im Jahr 1819 traten zwei junge Schweden ihre Reise durch Dänemark, Deutschland, die Schweiz bis nach Italien an. Sie besuchten verschiedene Städte und Sehenswürdigkeiten und machten bekannten Geistesgrößen ihre Aufwartung. Einer von ihnen war Bernhard Beskow, der seit 1814 im schwedischen Staatsdienst tätig war, 1826 den Ritterschlag erhielt und sich nebenbei als Schriftsteller und Publizist hervortat. In seinem 3-bändigem Werk "Vadringsminnen" hat er seine Erinnerungen an die Reise durch Mitteleuropa festgehalten.
Neben seiner Begeisterung für die deutschsprachige Literatur galt Beskows Interesse, und in dieser Hinsicht ist er ganz Schwede seiner Zeit, auch den Stätten der Reformation und Orten schwedisch-deutscher Geschichte. Auf seiner Reiseroute durch das heutige Sachsen-Anhalt lagen daher sowohl die Lutherstadt Wittenberg als auch das Schlachtfeld bei Lützen.

Zur Zeit seines Besuches stand zum Gedenken an den im 30-jährigen Krieg gefallenen schwedischen König Gustav II. Adolf nur der Findling. Erst 1837 erhielt dieser sogenannte "Schwedenstein" einen gusseisernen Baldachin, der von niemand geringerem als Karl Friedrich Schinkel entworfen wurde.


Ein Schwede kann sich nur mit Stolz dem Schlachtfeld von Lützen nähern, wo einer der größten Männer, die je auf einem Thron saßen, sein edles Blut im Kampf für die moralische Freiheit des Menschen vergossen hat. In vielen einsamen Stunden habe ich mir gewünscht, an der Stelle niederzuknien, an der der königliche Märtyrer mit dem Opfer seines Lebens den Sieg des Lichts, der Freiheit und Wahrheit bezahlt hat.

Der Schwedenstein heute
Der Schwedenstein heute

An der Landstraße steht ein Stein, der der Schwedenstein genannt wird. Er kennzeichnet die Stelle, an der der Held gefallen ist. Früher soll hier eine Eiche gestanden haben, doch Gustaf Adolfs Bewunderer haben so viele Stücke herausgeschnitten, dass sie schon lange eingegangen ist. Der Stein ist ungefähr eine halbe Stelle hoch, aus einer Art rotgeflecktem Granit, und trägt die Aufschrift G. A. 1632 – grob eingeritzt und schwarz ausgemalt. Davor hat General von Helvig [1] 1813 ein Kreuz aus grauem Stein errichten lassen, das die – nun beinahe unleserliche – Inschrift trägt:

Gustaf Adolph
König von Schweden
fiel hier im Kampfe für Geistesfreiheit
d. 6 Nov. 1632

Baldachin über dem Schwedenstein; im Hintergrund die 1907 errichtete Kapelle
Baldachin über dem Schwedenstein; im Hintergrund die 1907 errichtete Kapelle

Zu beiden Seiten des Denkmals steht eine alte Pappel und dazwischen wurden junge Eichen und Pappeln gepflanzt. Wir versuchten vergeblich, ein kleines Stück von dem Stein abzubrechen, der fester war als die Steine, die wir verwendeten – sie zerbrachen am Schwedenstein, als ein armer Arbeiter vorbeikam. Um uns zu helfen, ging er nach Hause nach Lützen und holte einen großen Vorschlaghammer. Damit konnten wir ein paar Stückchen von dem Stein lösen, als Andenken an diesen heiligen Ort.

Der Arbeiter erzählte, dass er die jungen Bäume gepflanzt hatte und sich um sie kümmerte. Und nächstes Jahr wollte er die Anlage mit einem Stück Rasen verschönern. Es war rührend, ihn von dem großen König reden zu hören und dass er mit Vergnügen eine Weile von seiner Arbeitszeit abzweigte, um dieses ungekünstelte Denkmal zu pflegen.
„Wenn ich Geld hätte“, sagte er, „würde ich hier ein schönes Monument errichten. Das sind wir Deutschen ihm schuldig. Aber jetzt sorge ich wenigstens dafür, dass keine Tiere, Äxte und Spaten dieses Fleckchen Erde verschandeln. So viel kann ich aber tun, dass der Wanderer diesen Ort wiederfindet und auf einem Stück Rasen im Schatten meiner Bäume an das Schicksal und die Heldentaten dieses großen Königs denken kann.“
Gerührt drückte ich ihm ein paar Goldstücke in die Hand und schämte mich ein wenig, weil ich nur so vergelten konnte, dass er mir ein Andenken an einen großen Schweden verschafft hatte und die Gedenkstätte pflegte.

Es heißt, dass l’homme du siècle (Napoleon), als er mit seiner Armee über das Schlachtfeld bei Lützen marschierte, die Soldaten mit dem Gewehr auf der Schulter an der Stelle vorbeiziehen ließ, an der Gustaf Adolf gefallen war. Eine schöne Aufmerksamkeit von einem Franzosen, aber mir erscheint die Huldigung des Arbeiters ebenso ehrenwert, und es ist seltsam, dass Napoleon, der gern die Gelegenheit nutzte, seinen Namen mit dem großer Männer zu verbinden, nicht auf die Idee kam, dem Lion du Nord ein Denkmal zu errichten, was die Nachwelt ihm schuldig gewesen wäre.

Diese Gedanken beschäftigten uns auf dem Weg nach Weißenfels. Dorthin wurde die Leiche des großen Königs nach der Schlacht gebracht und in der Gruft des Schlosses beigesetzt. Flecken von seinem Blut waren dort lange sichtbar und es heißt, dass schwedische Offiziere Gipsstücke mitgenommen hätten, die solche Tropfen aufwiesen. Welcher schwedische Krieger wollte nicht einen Tropfen von Gustaf Adolfs Blut besitzen, ebenso wie die Katholiken das ihrer Heiligen verehren, das in Flaschen und auf Tüchern aufbewahrt wird? Wenn Letztere nach dem Tod Wunder bewirken, so vollbrachte Ersterer ein großes Werk, als er noch lebte, und das ist auf jeden Fall vertrauenswürdiger. Auf einer Inschrift sieht man, dass das Herz des Königs über 10 skålpund [2] wog.


[1] Carl von Helvig (1764 – 1844), schwedischer General (Anm. d. Ü.).
[2] Skålpund: Alte schwedische Maßeinheit für 0, 425 kg (Anm. d. Ü.).


***

Fotos: Antje Genth-Wagner

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