Weltberühmt ist der Schiefe Turm von Pisa im fernen Italien, doch manche Wunderlichkeiten finden sich auch direkt vor der eigenen Haustür: Wenn Sie in Sachsen-Anhalt gen Norden fahren und in der Kreisstadt und alten Hansestadt Salzwedel zu Gast sind, dann wird Ihnen in der Altstadt der zur Seite geneigte Turm der Stadtkirche St. Marien ins Auge fallen. Gut sichtbar überragt er die Dächer der Häuser mit seinen über 80 Metern. Um dieses Wahrzeichen Salzwedels rankt sich folgende Sage:
Einst war die Altmark nicht nur vom Volk der Menschen, sondern auch von dem der Riesen bewohnt. Einer von ihnen namens Jan Kahle lebte mit seiner Frau Seba in den Wäldern bei dem Dorf Seeben, nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt. Als die Salzwedeler begannen, ihre Kirche zu bauen, und dabei einen Kirchturm errichteten, der weit über das platte Land sichtbar war, wurde Jan Kahle sehr zornig.
„Ich werde euch lehren, Türme zu bauen, die größer sind als ich“, brüllte er in seiner Wut, packte einen riesigen Feldstein und schleuderte ihn mit aller Kraft in Richtung des neu gebauten Kirchturms. Glücklicherweise verfehlte der Stein sein Ziel, jedoch nur knapp. Durch den starken Windzug, den der Flug des Steins erzeugte, geriet der Turm ins Wanken und neigte sich zur Seite.
Die Salzwedeler nahmen diese Beschädigung ihres neuen Kirchturms mit Humor und erklärten ihn kurzerhand zum Wahrzeichen der Stadt.
Der immense Felsbrocken schlug nahe der Kirche in die Erde ein und hinterließ eine tiefe Mulde. Diese füllte sich bald mit Regenwasser, und so entstand der Pfefferteich im Park des Friedens unmittelbar neben der Marienkirche.
Quelle:
https://www.salzwedel.de/de/stadt/stadtgeschichte/salzwedeler-sagen.html, aufgerufen am 20.05.2026 um 10.31 Uhr.