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Ewald König
Die DDR und der Rest der Welt
Außenbeziehungen zur Wendezeit. Notizen eines Wiener Korrespondenten
Sachbuch

Lavieren zwischen Ost und West

Bis zuletzt ringt die DDR um ihre Stellung auf der Weltbühne und betreibt ihre eigene Außenpolitik. Zur Wendezeit geraten die auswärtigen Angelegenheiten ziemlich durcheinander. Drei Jahrzehnte nach Mauerfall und Wiedervereinigung erzählt der damals in der DDR und der Bundesrepublik akkreditierte österreichische Journalist Ewald König über seine Erfahrungen und Begegnungen in Ost und West. Zudem lässt er Zeitzeugen aus Ostdeutschland, Westdeutschland und aus Drittländern ihre persönlichen Erlebnisse schildern – als Akteure großer Politik und einfach als Menschen.

Das Bauhaus in Dessau

Das Bauhaus in Dessau

Carsten Joroch

Das Bauhaus – Welterbe Nr. 2

Die Beziehung zwischen Dessau und dem Bauhaus lässt sich gut mit dem Begriff der Hassliebe zusammenfassen. Es wird akzeptiert, dass es da ist, die Touristen, die das Bauhaus anzieht, sind auch willkommen; aber fiele es morgen zusammen, würden es nur wenige vermissen. Viele Dessauer sehen in dem Gebäude der berühmten Architektur- und Designschule, die 1919 von Walther Gropius in Weimar gegründet wurde, einfach nur einen schwarz-weißen Flachbau aus Glas und Beton.

Diese Haltung der Dessauer zum Bauhaus ist nicht neu. Schon als die Kunstgewerbeschule 1925 von Weimar nach Dessau zog, standen viele den neuen Gebäuden und den Bauhäuslern skeptisch gegenüber. Die Stadtführung war für die Schule, die ansässigen Industriellen, allen voran der Flugzeugpionier Hugo Junkers, erhofften sich neue Impulse für die Stadt, aber die gemeine Bevölkerung war nicht unbedingt begeistert.

Dennoch hinterließen die Bauhäusler in Dessau viele Spuren ihres Schaffens: Das namensgleiche Schulgebäude, die Meisterhäuser, die Bauhaussiedlung in Dessau-Törten, die Laubenganghäuser, das Ausflugsrestaurant „Kornhaus“ an der Elbe und das Stahlhaus.

Die Bedeutung des Bauhauses für Dessau und die Kunst- und Architekturgeschichte der ganzen Welt bemisst sich an den unzähligen Neuerungen, die hier erfunden und getestet wurden.

Das Bauhaus-Gebäude war eines der ersten Gebäude der Welt mit einem Skelett aus Stahlbeton und einer nichttragenden Glasfassade. Praktisch jedes moderne Bürogebäude oder Hochhaus wird heute auf diese Art errichtet.

Die Aula im Bauhaus konnte durch große Schiebetüren hinter der Bühne mit der Mensa zu einem noch größeren Raum verbunden werden. Diese Multifunktionalität von Räumen war etwas völlig Neues. Wichtig sind aber auch viele Kleinigkeiten, wie die Belüftung über kippbare Lamellenfenster, in Wände integrierte Schränke, eine ausgeklügelte Licht- und Farbgestaltung der Räume.

Natürlich waren manche Ideen, die hier verwirklicht wurden, noch nicht ganz durchdacht. Die große Glasfassade zum Beispiel sorgt für viel Wärme im Sommer und lässt das Haus im Winter leicht auskühlen. Auch die Fallrohre für die Dachentwässerung nach innen zu verlegen, damit keine Regenrinnen den Anblick der Fassade stören, war nicht die beste Idee. Bei starkem Regen rauschte es derart in den Wänden, dass die Schüler dazu animiert wurden, öfter als sonst die Toiletten aufzusuchen.

Dennoch stellt das Bauhaus als Gebäude einen Meilenstein der Architekturgeschichte dar. Das Bauhaus als Schule hatte einen gewaltigen Einfluss auf das Design und die Kunst der Moderne. Man denke nur an die Freischwinger-Stühle Marcel Breuers, die Lampen von Wilhelm Wagenfeld oder die Bilder von Wassily Kandinsky. Sie alle lehrten am Bauhaus.

Deshalb wurde das Bauhaus auch 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Denn die Bedeutung dieses Hauses bemisst sich nicht nach seinem ästhetischen Wert – deswegen ist es auch egal, dass viele Dessauer es niemals schön finden werden.

Stiftung Bauhaus Dessau

Gropiusallee 38

06846 Dessau-Roßlau

Tel.: 0340 / 6508250


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Textquelle:

Joroch, Carsten : Dessau und Wörlitz: Die 99 besonderen Seiten der Region, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2017.

Bildquelle:

Carsten Joroch.

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Gropiusallee 38
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