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Florian Steger/Maximilian Schochow
Wo ist mein Kind?
Familien auf der Suche nach der Wahrheit. Ein Beitrag zur Aufarbeitung
Studienreihe der Landesbeauftragten, hg. von der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Sonderband

176 S., geb., 148x210mm
ISBN 978-3-96311-315-4

Erschienen: März 2020

"Judensau"-Relief ud Gedenkplatte

Mathias Tietke

„Judensau“ und Gedenken

An der südlichen Außenwand der Stadtkirche befindet sich eine aus dem Jahr 1304 stammende Reliefplatte aus Sandstein mit dem damals weit verbreiteten Motiv der „Judensau“. Es zeigt auf obszöne Art Juden und Schweine in enger Verbindung. Es sollte Juden verunglimpfen. Luther nahm in seiner antisemitischen Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 direkt auf dieses Motiv Bezug. Zudem gipfelte eine seiner Tischreden (Nr. 1.795) in einer Mordfantasie. Zitat: „Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücke führen, einen Stein an den Hals hängen und ihn hinabstoßen.“

In Deutschland ist das Motiv „Judensau“ an 25 Kirchen erhalten, zumeist unkommentiert. In Wittenberg wurde im November 1988 im Auftrag der Stadtkirchengemeinde im Bereich des Schmähreliefs eine Gedenkplatte aus Bronze eingelassen. Sie stammt von dem Bildhauer Wieland Schmiedel. Darin eingraviert ist ein Schriftband in Hebräisch und Deutsch: „Gottes eigentlicher Name, der geschmähte Schem Ha Mphoras, den die Juden vor den Christen fast unsagbar heilig hielten, starb in sechs Millionen Juden unter einem Kreuzeszeichen.“

Obwohl Juden über Jahrhunderte vertrieben worden sind, gibt es dennoch Spuren jüdischen Lebens in Wittenberg. Eine der ältesten Straßen der Innenstadt heißt Jüdenstraße und dort hat man im Haus Nr. 9 kürzlich eine jüdisches Ritualbad (Mikwe) entdeckt. Im Stadtbuch von 1332 finden sich für diese Straße, die 1507 „Judiacus vicus“ hieß, Bewohner wie David Mosse de Lutetes und Ysaak Carnifex.

Adresse

Kirchplatz

06886 Wittennberg

*****

Textquelle:

Tietke, Mathias: Wittenberg - die 99 besonderen Seiten der Stadt, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2015.

Bildquelle:

Mathias Tietke.

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