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Marx bleibt aktuell

Perspektiven für die Einzelwissenschaften

Wolfgang Maiers/Renatus Schenkel (Hg.)

Dass der Gesellschaftstheoretiker Karl Marx (1818–1883) mit seinem Werk bis heute höchst aktuell ist, zeigen die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes mit Beiträgen wie »Grenzenlose Akkumulation: Marx und die Globalisierung«, »Keynesianische Konzepte (Flassbeck u. a.) zur aktuellen Krisenbekämpfung«, »Mit Karl Marx über Kinderarmut, Kinderarbeit und Kinderrechte«, »Karl Marx und Kritische Medizin/ Gesundheitswissenschaften«.
Mit Beiträgen von Jürgen Bennies, Michael Hoffmann, Michael Klundt, Hagen Kühn, Wolfgang Maiers, Katrin Reimer-Gordinskaya, Renatus Schenkel und Nicola Wolf-Kühn.

Das Lutherhaus in Wittenberg

Das Lutherhaus in Wittenberg

Mathias Tietke

Vom Kloster zum Museum

Am Lutherhaus, das seit 1996 zum Weltkulturerbe der ­UNESCO gehört, beginnen oder enden die Touristengruppen ihren kurzen Erkundungsweg, der die Collegien- und Schlossstraße entlangführt. Man nennt sie die Touristenmeile, andere gebrauchen einen weniger schmeichelhaften Ausdruck. Das wiederum passt gut zu Luther, der in seiner Ausdrucksweise oft derb war und empfahl, dem Volke aufs Maul zu schauen.

Im einstigen Augustinerkloster und Wohnhaus der Familie Luther ist nahezu alles Wichtige, was mit Luther zu tun hat, unter einem Dach. Es ist das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt. Nach der letzten Modernisierung in den Jahren 2001 und 2002 ist das Haus barrierefrei gestaltet. Zu sehen gibt es zum einen die Räumlichkeiten, die Luther mit seiner Familie und Kollegen genutzt hat. Hierzu gehört die original erhaltene Lutherstube, in der die Tischgespräche des Reformators stattfanden. Zum anderen sind auf 1.800 Quadratmetern eintausend Exponate ausgestellt. Besonders eindrucksvolle Ausstellungsstücke sind unter anderem die aus der Stadtkirche stammende Predigtkanzel aus Eichenholz, die „Zehn-Gebote-Tafel“ von Lucas Cranach, das Cranachgemälde „Gesetz und Gnade“ aus dem Jahr 1551, die erste Lutherbibel sowie kostbare Drucke und Handschriften.

Ein bemerkenswertes dreidimensionales Exponat, das zunächst zur Stadtkirche gehörte, ist der sogenannte „Gemeine Kasten“. Es ist eine Truhe mit drei voneinander unabhängigen Schließsystemen und entsprechenden Schlüsseln von ca. 1520. Er war eine Art Sozialkasse zur Unterstützung Bedürftiger und die Grundlage der Armen- und Krankenfürsorge. Bevor das Lutherhaus von Luther bewohnt und drei Jahrhunderte später zum Museum wurde, war das Gebäude ein Kloster, das 1504 errichtet worden war. Wegen der Kuttenfarbe der Augustinermönche wurde es „Schwarzes Kloster“ genannt. Die offizielle Bezeichnung war Augustinerkloster, in dem auch Martin Luther ab 1508 als Mönch lebte. 1532 bekam Luther das Haus übereignet und er bewohnte es mit seiner Familie.

Nach dem Tod Luthers (1546) übernahm die Universität das Gebäude und baute es zum Stipendiatenhaus um. Ab 1844 wurde das Lutherhaus von Friedrich August Stüler grundlegend saniert, ab 1883 nutzte man die ersten Räume für museale Zwecke. Bis 1937 befand sich im Erdgeschoss des Hauses zudem die Luther-Schule. Das erst vier Jahrzehnte nach Luthers Tod errichtete Vorderhaus wurde in Erinnerung an August I. von Sachsen, den Förderer der Wittenberger Universität, als Augusteum bezeichnet. Auf dem Innenhof und somit zwischen dem Augusteum und dem Lutherhaus stehen der Lutherbrunnen und seit 1999 eine Bronzeskulptur von Luthers Frau Katharina von Bora in einem Rahmen, eine Bronzearbeit der Künstlerin Nina Koch.
Verlässt man Lutherhaus und Augusteum und wendet sich nach Osten, so kommt man nach wenigen Minuten Fußweg zur Luthereiche. Der Legende nach wurde dieser Baum an der Stelle gepflanzt, wo der Reformator die päpstliche Bannandrohungsbulle und die Bücher seiner Gegner verbrannt hatte.


Adresse:

Collegienstraße 54

06886 Wittenberg


Kontakt:

03491 / 4203118


Informationen:

www.lutherstadt-wittenberg.de/lutherhaus.html


Öffnungszeiten.

Mo-So: 9:00 - 18:00 Uhr



*****

Textquelle:

Tietke, Mathias: Wittenberg - die 99 besonderen Seiten der Stadt, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2015.

Bildquelle:

Mathias Tietke.

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