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Das Biosphärenreservat Mittelelbe und die Elbebiber

Das Biosphärenreservat Mittelelbe und die Elbebiber

Karin Müller-Syring

Ursprüngliche Natur gepaart mit reizvoller Kulturlandschaft

Der sachsen-anhaltinische Bereich des größten deutschen UNESCO-Biosphärenreservates „Flusslandschaft Elbe“ trägt den Namen “Biosphärenreservat Mittelelbe“. Es erstreckt sich entlang der Mittelelbe im Süden beginnend etwa von der Lutherstadt Wittenberg, über Dessau-Roßlau nach Magdeburg und weiter nördlich bis zur Grenze Sachsen Anhalts. Das Biosphärenreservat umfasst eine Fläche von 125 510 Hektar und ist durch Auenlandschaften gekennzeichnet. Symboltier und Sympathieträger dieser Elbtalauen ist der Elbebiber. Neben der intakten, teilweise ursprünglichen Natur ist in das Biosphärenreservat Mittelelbe eine reizvolle Kulturlandschaft eingebettet.

Der südliche Teil des Reservats

Im Süden des Schutzgebietes befinden sich ausgedehnte, wildromantische Auenwälder. Auenlandschaften mit ihren Auenwäldern haben eine wichtige Funktion um schwankende Wasserstände von Flüssen auszugleichen. Da die Elbe durch bauliche Veränderungen schon viele dieser ausgleichenden Naturräume verloren hat, versteht es sich von selbst, die noch verbliebenen Auenlandschaften zu schützen. Im Schutzgebiet leben zudem viele seltene oder vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere. Auch vom Biber wurden 1919 im Bereich der Mittleren Elbe nur noch knapp 200 Tiere gezählt. Durch Schutzmaßnahmen wie die Ausweisung von Biberschongebieten, den gesetzlichen Schutz des Bibers und die Arbeit ehrenamtlicher Biberbetreuer hat sich sein Bestand in Sachsen-Anhalt heute wieder auf 2470 Tiere erhöht. Da das Interesse an diesen scheuen Tieren sehr groß ist, können Besucher in einer Biberfreianlage zwischen Dessau und Oranienbaum die Tiere in ihrer Biberburg beobachten. Wanderfreunde haben die Möglichkeit, auf 13 beschilderten Auenpfaden die naturbelassene vielseitige Landschaft zu erwandern. Sachkundige Informationen zum Biosphärenreservat Mittelelbe erhält man im „Auenhaus“ an der Straße B 107 zwischen Dessau und Oranienbaum. Aber auch Kulturfreunde kommen im Biosphärenreservat auf ihre Kosten. Wer Natur und Kultur verbinden möchte, den begeistern sicher Besuche des Gartenreichs Dessau-Wörlitz mit seinen Plastiken, den kleinen Schlössern und Bauwerken, die häufig miniaturisierte Nachbildungen von Bauten aus verschiedenen Ländern Europas sind. Auch für eine Exkursion in die Stadt Dessau mit dem Bauhaus und den Meisterhäusern müssen keine weiten Strecken zurückgelegt werden. Ebenso interessante Besuchsziele sind die Schlosskirche, das Lutherhaus und die Cranachhöfe in Lutherstadt-Wittenberg.

Der nördliche Teil

Nördlich der Stadt Magdeburg entlang der Elbe empfängt den Besucher eine grüne Auenlandschaft mit weniger Auenwald als im Süden. In dieser besonders dünnbesiedelten Landschaft, der Altmark, dominieren weite Wiesenflächen, ein idealer Lebensraum für Weißstörche. Der hier gelegene Ort Warenberg hat mit über 20 Brutpaaren bundesweit das zweithöchste Storchenaufkommen. Zahlreiche nichtbrütende Störche halten sich zudem noch in den angrenzenden Elbeniederungen auf. Auf einem gut ausgebauten Netz von Wanderwegen kann die schöne, Ruhe ausstrahlende Landschaft erkundet werden. Auch für Fahrradtouren oder Pferdefreunde gibt es hier entsprechende Möglichkeiten. Europas größtes zusammenhängendes Reitwegenetz mit rund 1600 Kilometern ist ein Magnet für Freunde dieser Sportart. Umfassende Informationen zum nördlichen Teil des Biosphärenreservates Mittelelbe erhält man in Havelberg im „Haus der Flüsse“.

Baumeister Biber

Der Elbebiber (Castor fiber albicus) ist eine Unterart des Europäischen Bibers (Castor fiber). Er ist das größte Nagetier Europas und kann erwachsen eine Körperlänge bis zu 140 cm erreichen und bis zu 35 kg schwer werden. Biber bewohnen verschiedenste Gewässertypen, wobei die Auengebiete an der Elbe mit ihren vielen sowohl stehenden, als auch fließenden Gewässern ein ideales Siedlungsgebiet sind. Auch Nahrung in Form von Weichhölzern und anderen Pflanzen ist hier reichlich vorhanden. Mit ihren Nagezähnen sind Biber in der Lage, Bäume zu fällen. Die Elbebiber sind scheue, nachtaktive Tiere und werden deshalb kaum vom Menschen zufällig beobachtet. Zum Schwimmen nutzen sie ihre Schwimmhäute zwischen den Zehen; die sogenannte Kelle, der breite abgeflachte Schwanz, dient als Steuer. Ohren und Nase werden beim Tauchen verschlossen, deshalb ist es den Bibern möglich, bis zu 20 Minuten unter Wasser zu bleiben. Elbebiber bauen am Gewässerufer eine Biberburg, in der die Familie lebt. Der Wohnkessel, mit einem Durchmesser von einem Meter und einer Höhe von bis zu 80 cm liegt oberhalb des Wasserspiegels. Der Eingang zum Biber-Bau befindet sich im Wasser, sodass die Biberwohnung nur tauchend erreicht werden kann. Um wechselnde Wasserstände auszugleichen, bzw. um neue Lebensräume zu erschließen, bauen Biber aus Ästen, Zweigen, Wasserpflanzen und Schlamm respektable Dämme und gestalten damit aktiv ihren Lebensraum. Zuweilen dringt der Baumeister dabei in die vom Menschen genutzte Landschaft vor und es kann z.B. zu Überflutungen von Ackerflächen kommen. Mittlerweile gibt es jedoch verschiedene Technologien, wie das Einlegen von Spezialrohren in die Dämme, um diese Effekte zu mildern. Da der Elbebiber im 19. Jahrhundert fast ausgerottet war, steht er unter Naturschutz und zählt bis heute zu den streng geschützten Tierarten.

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Vorschaubild: Die Plastik Dornauszieher im Wörlitzer Park von Karin Müller-Syring

Das Biosphärenreservat Mittelelbe und die Elbebiber


06785 Oranienbaum-Wörlitz

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