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Flechtwerk
Lebendige Nachbarschaft und Integration

so heißt die erste Ausgabe unserer neuen Zeitschrift

FLECHTWERK - Lebebendige Nachbarschaft und Integration

Die Deutschen sind ofener geworden und haben gleichzeitig mehr Sinn für Heimat, Familie und Nachbarschaft entwickelt. Es müssen neue Wege gesucht werden, um Ausgrenzung und Anonymität zu verhindern.

Quedlinburg

Geschichtsträchtige Stadt im Harz-Vorland

Schlossberg mit Damenstift
Schlossberg mit Damenstift

Die Geschichte der Stadt Quedlinburg ruft in Erinnerung, dass das Zentrum Deutschlands bzw. des früheren Deutschen Reiches sich viele Jahrzehnte nicht in Aachen, am Rhein, in Berlin oder Wien befunden hat, sondern im Osten Deutschlands, im heutigen Sachsen-Anhalt. Das Herrschergeschlecht der Ottonen, von Heinrich I. („der Vogler“) bis Otto III. (919 – 1024) hatte dort ihren Stammsitz. Unter ihrer Herrschaft wurde Magdeburg zu einer der bedeutendsten deutschen Städte und zum Erzbistum, dessen Einfluss weit über die Stadt hinausreichte. Magdeburg war auch die Lieblingspfalz von Otto I., dem Großen. Zu den bedeutendsten Städten dieser Zeit gehörte auch das im (heute vor allem als Tourismusgebiet beliebten) Harz-Vorland gelegene Quedlinburg. Seit 1994 gehört die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 922, also drei Jahre nach der Wahl Heinrichs I. zum König des Ostfrankenreichs, dem Vorläufer des heutigen Deutschlands. Vom 10. bis zum 12. Jahrhundert war Quedlinburg auch eine bedeutende Königspfalz, die besonders in der Osterzeit als Tagungsort ausgewählt wurde. Während der Ottonenherrschaft wurden 69 königliche bzw. kaiserliche Aufenthalte in Quedlinburg dokumentiert.

Nach Heinrichs I. Tod im Jahr 936 errichtete dessen Witwe Mathilde in Quedlinburg ein Damenstift, dessen Leitung sie bis 966 übernahm. In der Stiftskirche wurden der Leichnam Heinrichs und später auch ihr eigener bestattet.

Nachfolgerin in der Leitung des Stiftes wurde eine Enkelin von Heinrich I. und Königin Mathilde. Sie hieß ebenfalls Mathilde und stand dem Stift auch als Äbtissin vor. Das Quedlinburger Damenstift widmete sich dem Gedenken Verstorbener und der Erziehung von Töchtern aus dem höheren Adel. Es erlangte großen wirtschaftlichen und politischen Einfluss und war Ausgangspunkt weiterer Stifts- bzw. Klostergründungen. Im Jahr 994 verlieh Otto III. ihm das Markt-, Münz- und Zoll recht, was der Stadt zu einem erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung verhalf. Die ältere der beiden Mathilden wurde später heilig, die jüngere selig gesprochen.

Quedlinburg zählt heute etwa 23.000 Einwohner. Das Stadtbild wird geprägt durch den im Stadtgelände gelegenen Schlossberg, das darauf errichtete Stift und durch etwa 2.000 Fachwerkhäuser, die teilweise noch aus dem 8. Jahrhundert stammen und zusammen mit einigen engen, asphaltierten Straßen Quedlinburg bis heute noch ein mittelalterliches Aussehen geben.

Altes Rathaus mit Rolandstatue
Altes Rathaus mit Rolandstatue

Ein attraktiver Ort ist auch der Marktplatz mit dem Rathaus, einem Renaissancebau und einer Rolandstatue. Die Figur des Roland, die man auch in einigen anderen Städten wie z. B. Bremen findet, nimmt Bezug auf einen bretonischen Ritter mit Namen Hruotland, der ein Kampfgefährte Karls des Großen war. Er fiel im Jahr 778 in einem Gefecht in den Pyrenäen und wurde später, u.a. durch das ihm gewidmete „Rolandlied“ in vielen Teilen Europas als Volksheld verehrt. Sein Standbild in ritterlicher Rüstung und mit einen Richtschwert in der Hand wurde zum Symbol für das Selbstbewusstsein von Städten und zum Ausdruck von Wachstum und Wohlstand.

Der heutige Wohlstand Quedlinburgs gründet sich vor allem auf den Tourismus und die damit verbundenen Dienstleistungen. Die Stadt erlangte auch internationale Bedeutung durch die Pflanzen- und Saatzucht, für die der fruchtbare Boden der Umgebung eine gute Voraussetzung bietet. In Quedlinburg befindet sich heute eine Reihe von bundesdeutschen wissenschaftlichen Pflanzenforschungsinstituten. Quedlinburg ist ein Ort, den zu besuchen sich lohnt.

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Fotos: Florian Russi