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Die Päpste als Friedensvermittler

Der Kirchenhstoriker Stefan Samerski stellt die Friedenspolitik und -Arbeit des Heiligen Stuhls in der modernen Zeit heraus.

Kloster Drübeck

Kloster Drübeck

Karin Müller-Syring

Kleinod im Harz

Das Kloster mit seiner weithin sichtbaren Klosterkirche St. Vitus liegt in Sachsen-Anhalt am nördlichen Rand des Mittelgebirges Harz zwischen den Städten Wernigerode und Ilsenburg.  Drübeck ist seit 2009 ein Ortsteil der Stadt Ilsenburg. Die Klosteranlage wurde im 10. Jahrhundert als Frauenkloster gegründet und gilt als bedeutendes romanisches Baudenkmal. Im 18. Jahrhundert angelegte Klostergärten schmiegen sich an den Gebäudekomplex an, begrünen das Gelände und lassen neben Hecken und der großen Linde im Innenhof ein klösterlich romantisches Flair entstehen. Heute beherbergt das Kloster eine Tagungsstätte der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland mit Pädagogisch-Theologischem Institut, einem Pastoralkolleg, dem Haus der Stille sowie einem Medienzentrum.

Das Kloster Drübeck war eine Tochtergründung der Klosters Corvay, welches im heutigen Nordrhein-Westfalen liegt. Die erste gesicherte Erwähnung des Benediktinerinnenklosters geht auf eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto I. aus dem Jahr 960 zurück. 980 verlieh Otto II. dem Kloster das Recht zur freien Wahl der Äbtissin. Da sie als oberste Gerichtsherrin auftreten konnte, verfügte  das Kloster  über eine privilegierte Stellung. 1058 schenkte Heinrich IV. das Damenstift der bischöflichen Kirche in Halberstadt. Das Kloster wurde während der Reformationszeit aufgehoben und die Anlage im Bauernkrieg, sowie später, im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt. 1732 richteten die Grafen zu Stolberg-Wernigerode im Kloster wieder ein evangelisches Damenstift ein. Einige neue Gebäude wurden in dieser Zeit errichtet und auch die Gärten der Stiftsdamen mit den Gebetshäuschen angelegt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit seinen gesellschaftlichen Umwälzungen und den daraus entstehenden Problemen für Frauen begann Äbtissin Anna, Freiin von Welck (1903-1907), eine Stiftsreform einzuleiten.  Sie wollte künftig die Aufgaben des Stifts  auf Erziehung und Gesundheitsfürsorge ausweiten. Die Äbtissin plante die Errichtung eines Erholungsheims für berufstätige und alleinstehende Frauen. Ihre Nachfolgerin Äbtissin Magdalene, Gräfin zu Stolberg- Wernigerode (1908-1955), konnte diese Einrichtung dann eröffnen. Auf deren Bitte hin übernahm 1946 die evangelische Kirchenprovinz Sachsen das Kloster Drübeck als Erholungsheim und Tagungsstätte. Das Kloster existierte bis zu ihrem Tode 1955. Das Erholungsheim Kloster Drübeck bestand bis 1991.

Innenhof, im Hintergrund Turm der Klosterkirche St. Vitus
Innenhof, im Hintergrund Turm der Klosterkirche St. Vitus

Die Doppeltürme der Klosterkirche St. Vitus überragen weit die Häuser des am Fuße des Brockenmassivs gelegenen Dorfes Drübeck. Sie bildet das Kernstück des ehemaligen Benediktinerinnenklosters. Der Kernbau der  Klosterkirche, eine dreischiffigen Basilika,  stammt aus dem späten 10. und frühen 11. Jahrhundert. Durch größere Umbauten entstand um  1170 der Westbau mit seinen beiden Türmen. Teile  der Klosterkirche wurden im Laufe der Geschichte stark zerstört, wieder notdürftig repariert oder später vollends umgebaut. Der heute begehbare Teil der Klosterkirche mit seinen historischen und modernen Ausstattungsgegenständen gibt der Kirche eine ganz besondere  Ausstrahlung.

Nach der Übernahme des Klosters durch die Grafen von Stolberg-Wernigerode im 18. Jahrhundert begann die Gestaltung des Innenbereichs der Anlage. In dieser Zeit wurden auch die Gärten der Stiftsdamen angelegt, ebenso der Garten der Äbtissin. Die fünf langgestreckt nebeneinanderliegenden Gärten der Stiftsdamen sind jeweils von Mauern umgeben. Sie waren früher als Blumengärten gestaltet, die durch ein Wegekreuz geteilt wurden. Jetzt sind sie bei erhaltenem Wegekreuz überwiegend mit Rasen bewachsen. Das jeweils am Ende eines Gartens thronende Gartenhäuschen ist auch heute noch hübsch anzusehen. Die Gärten nebst Gartenhäuschen waren für die Stiftsdamen Orte der Entspannung und Besinnung. Der Garten der Äbtissin liegt etwas weiter entfernt, im Süden der Klosteranlage. Auch dieser ist zum Teil mit einem Wegekreuz gestaltet. In ihm kann man noch immer die nunmehr schon hochbetagte Eibenlaube besichtigen. Im nördlichen Teil des Gartens wurde etwa um 1900 ein Rosengarten mit Buchsbaumhecken und Brunnen geschaffen. Der prächtigste Baum der Anlage ist die im Jahr 1730 im Klosterhof gepflanzte Sommerlinde.  Sie verleiht dem Innenhof zu jeder Jahreszeit, selbst im Winter, ein sehr natürlich-romantisches Gepräge und ist als Naturdenkmal geschützt.  Alle gärtnerischen Anlagen des Klosters sind in das Netzwerk  "Gartenträume - Historische Parks in Sachsen - Anhalt" eingebunden.

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Fotos: Karin Müller-Syring

Vorschaubild, Klosterkirche St. Vitus von Karin Müller-Syring