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Die Päpste als Friedensvermittler

Der Kirchenhstoriker Stefan Samerski stellt die Friedenspolitik und -Arbeit des Heiligen Stuhls in der modernen Zeit heraus.

Hexenverbrennung in Wittenberg

Hexenverbrennung in Wittenberg

Christoph Werner

Der folgende Auszug aus dem Roman „Paulus Luther - Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben" erzählt eine leider wahre Geschichte. Sie wirft ein trübes Licht auch auf den bedeutenden und viel bewunderten Maler Lucas Cranach, der zum Zeitpunkt des Geschehens Bürgermeister von Wittenberg war.

Daniel Krüger

Hexenverbrennung in Wittenberg 1540
Hexenverbrennung in Wittenberg 1540
A. D. 1540. als bei uns und im ganzen Reich, wie ich schon schrieb, gewaltige Hitze und Trockenheit herrschten, am 29ten des Juni, flüsterten die Mägde. Knechte und Studenten bei uns im Schwarzen Kloster von einem heute bevorstehenden Publicumsereignis, das sie auf keinen Fall missen wollten. Sie baten die Mutter, ihnen ein paar Stunden zu schenken, damit sie wie alle Wittenberger das Ereignis genießen könnten. Wir Kinder erfuhren: Heute wird begonnen, die Wettermacherin Prista Frühbottin samt ihren Helfern, das sind ihr Sohn Dictus und die beiden Knechte und Abdeckergehilfen Clemen Ziesigk und Caspar Schiele, zu räuchern und zu dörren und damit zwei Tage lang zu Tode zu bringen, was ihnen ohne Zweifel genug Zeit gebe für Gebete zur Erlangung ihres Seelenfriedens und dem Feuer genug Zeit zur Entfaltung seiner läuternden Kraft.

Wir Kinder sollten nicht unbedingt zuschauen, doch schlich ich mich aus dem Haus, folgte den Studenten auf den Marktplatz, wo ich mich hinter einem Karren versteckte. Später erfuhr ich, daß mit diesem Karren die Wettermacherin und ihre Helfer zur Hinrichtung gefahren worden waren.
Man hatte sie bereits an den Eichenpfählen angeschmiedet und gefesselt. Damit sie nicht zu schnell stürben, wurden sie auf Brettchen gesetzt. Man sah, daß sie eine lange Tortur von der Folter- knechte Hände hinter sich hatten, diesen war es nicht einmal der Mühe Wert gewesen, ihre Schultern wieder einzurenken. Jetzt saßen sie auf ihren Sitzen, ein kleines Feuer brannte unter ihnen, und die Beine waren schon mit roten und aufplatzenden Blasen bedeckt. Alle viere stöhnten und schrien jämmerlich, was den Leuten zu gefallen schien, je lauter das Stöhnen, umso freudiger die Ausrufe der Zuschauer. Eine Frau schrie besonders laut: Die Hexe hat unsere Viehweide vergiftet.

Ich entdeckte unter den nahe bei den Verurteilten Stehenden unseren Bürgermeister Lucas aus Kronach, der sich danach Cranach nannte, zeichnend mit einem Stift und Blatt in der Hand.
Da ich dies schreibe, liegt vor mir ein Bild, das in mir die entsetzlichsten Erinnerungen zurückholt, die mich bis heute wie ein Succubus nachts heimsuchen. Es ist in Holz geschnitten vom Meister Lucas und war damals vielfach verbreitet unter den Leuten. die sich die Blätter aus der Hand rissen, um sie gierig anzuschauen.
  

    

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Auszug aus: Christoph Werner, Paulus Luther - Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben, Bertuch Verlag GmbH, Weimar, 2015

Fotoquellen:
Teaserfoto: wikimedia; Wittenberger Stadtansicht 1536/37 - gemeinfrei
Bild: wikimedia; Hexenverbrennung in Wittenberg 1540 -  Holzschnitt, der als Flugblatt die Verbrennung von vier Personen als Hexen in Wittenberg 1540 zur Abschreckung zeigt - gemeinfrei