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Romanikpreis für den Merseburger Altstadtverein  (2013)

Romanikpreis für den Merseburger Altstadtverein (2013)

Lutz Fischer

Die Straße der Romanik feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen und der Merseburger Altstadtverein wurde vor wenigen Tagen mit einer Silbermedaille des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.  Aus diesem Anlass habe ich ein ergänzendes Interview mit dem Vorsitzenden des Merseburger Altstadtvereins, Herrn Horst Fischer geführt.

 Lutz Fischer

1. Der Merseburger Altstadtverein erhielt vor einigen Tagen eine bemerkenswerte Auszeichnung. Worum handelt es sich da?

Am 6. Mai wurde beim Festakt anlässlich des 20jährigen Bestehens der Straße der Romanik im Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg der Merseburger Altstadtverein für die Erhaltung von Kulturwerten und die Förderung von Kunst und Denkmalpflege ausgezeichnet. In Anerkennung und Würdigung besonderer und werbewirksamer Aktionen zugunsten der Straße der Romanik erhielt er den silbernen Romanikpreis.

2. Wer stiftet diesen Preis?

Der Romanikpreis wird vom FDP-Landesverband gestiftet. Herausragende Beiträge werden alljährlich mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen geehrt. Der Jury des Landestourismusverbandes gehören Vertreter von Fraktionen des Landtages, von Ministerien und von touristischen Verbänden des Landes Sachsen-Anhalt an. Den Antrag zur Preisverleihung an den Altstadtverein stellte die Stadt Merseburg.

3. Wo verläuft die Straße der Romanik und welche historischen Hintergründe sind mit ihr verbunden?

Die Straße der Romanik verbindet 80 romanische Bauwerke in 65 Orten Sachsen-Anhalts. Sie teilt sich in eine Nord- und eine Südroute auf, die sich in Form einer Acht in Magdeburg treffen. Ins Leben gerufen wurde die Tourismusstraße 1993. Mit ihr kann die Vielfalt mittelalterlicher Bauwerke in der Zeit von 950 bis 1250 in der Region des heutigen Sachsen-Anhalts präsentiert werden.

4. Was hat Merseburg und speziell der Merseburger Altstadtverein mit der Straße der Romanik zu tun?

Von den achtzig Stationen dieser Themenroute liegen zwei in Merseburg: der Dom von Merseburg und die Neumarktkirche St. Thomae. Beide Bauwerke stehen beim Altstadtverein seit zwanzig Jahren an vorderster Stelle ihres Engagements. Von den 187.000 €, die der Verein seit seiner Gründung im Jahr 1991 öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt hat, ist mehr als die Hälfte diesen beiden Objekten zugute gekommen.

5. Können Sie Beispiele dieses Engagements für den Dom nennen?

Beim Dom sind es die Orgel und die Domschätze, deren Bestand und Bekanntheitsgrad der Altstadtverein versucht zu fördern. So stellte er finanzielle Zuwendungen für die große Ladegastorgel (über 26000 €), für die Glocke Clinsa, den Kindersarkophag von Prinz Johann Wilhelm, für die Restaurierung von Urkunden und für das Aufstellen von zwei Bänken im Kreuzhof zur Verfügung. Einige Projekte des Vereins sind direkt darauf ausgerichtet, Kinder und Jugendliche für das romanische Erbe in unserer Stadt zu interessieren. Das jährliche Orgelspektakel, die voll finanzierte Kinderorgel und die Kinderbücher über die Zaubersprüche oder von der abgeschlagenen Hand schlagen direkte Brücken zum Dom und dessen Schätze. Und jede Domführung beginnt an einem vom Altstadtverein erstellten und finanzierten Modell, das den Dom im XI. Jahrhundert darstellt.

6. Und welche Förderung erhielt die Neumarktkirche vom Verein?

Wir sorgten z.B. für die Wiederinstandsetzung der alten Turmuhr, die Außenanstrahlung des Gebäudes und den Einbau eines Behindertenlifts. Den Erwerb zeitgenössischer Sakralkunst wie die Messerschmidt-Kunstwerke "Auferstehung" und "Crucifixus" oder wie jüngst der Ottonengruppe von Dieter M. Weidenbach fördern wir mit Anschubfinanzierungen. Aber auch auf vielfältige andere Weise wird die Öffentlichkeit auf dieses Gebäude aufmerksam gemacht. Zehn Jahre lang organisierten Vereinsmitglieder die Öffnung der Kirche. Jährlich werden ca. 200 Merseburger mit dem beliebten Benefizkonzert in den Raum mit herrlicher Akustik gelockt. Und die Homepage des Vereins (www. merseburger-altstadtverein.de) wirbt bereits mit der Startseite für das romanische Gotteshaus. Aber auch noch in anderer Weise kümmert sich der Altstadtverein um das Erbe der Romanik in unserer Stadt. 2003 entwarf und finanzierte er z.B. zum zehnjährigen Bestehen der Straße der Romanik das Merseburger Festplakat "Faszination Romanik". 2011 unterstützte er mit einer finanziellen Zuwendung die Notsicherung des romanischen Petriklosters und 2012 beteiligte er sich an der Sonderausstellung "Otto der Große - Gründer des Bistums Merseburg" durch Anregung, Gestaltung und Mitfinanzierung der Infotafel "Ottonenstadt Merseburg" am hiesigen Schlossgarten.

7. Sind Veranstaltungen in Merseburg im Zusammenhang mit dem 20jährigen Jubiläum der Straße der Romanik geplant?

Ja! Aus diesem Anlass wird es die Sonderausstellung "Die romanische Neumarktkirche zu Merseburg und ihr Patron Thomas Becket von Canterbury" geben. Der Altstadtverein beteiligt sich daran, indem er die Auffrischung der Gründungsurkunde für den Neumarkt von Kaiser Barbarossa finanziert und einen Zuschuss für die Ausstellungstafeln gibt.

8. Gibt es weitere aktuelle Vorhaben des Vereins, die dem Anliegen dieser Themenroute entsprechen?

Die Neumarktkirche ist nach jahrzehntelanger Zweckentfremdung in den 90iger Jahren aufwendig restauriert, erneut geweiht und schrittweise mit Werken von Gabriele Messerschmidt und Klaus Messerschmidt ausgestattet worden. Im Jahr 2008 kam außerdem die von Dieter M. Weidenbach geschaffene Figurengruppe "Terra Ottonum" dazu. Ursprünglich war sie hier dem Kirchspiel Merseburg als Leihgabe für eine zeitweilige Präsentation überlassen. Aber sehr bald brachten Stadtführer und der Altstadtverein den Wunsch nach einem dauerhaften Verbleib der eng mit der Geschichte Merseburgs verwobenen Ottonengruppe ins Gespräch. Dieser Idee stand Dieter M. Weidenbach sehr aufgeschlossen gegenüber. Durch den Kauf einer ersten Figur (mit einer Initialspende des Altstadtverein) stimmte er dem Verbleib der übrigen Plastiken zunächst als Dauerleihgaben zu, natürlich mit dem Ziel, nach Stiftern zu suchen, die weitere Figuren dem Kirchspiel überlassen. Damit sind wir auf dem besten Weg, den Ruf der Neumarktkirche als Hort moderner sakraler Kunst auf der Straße der Romanik auszubauen. Hoffentlich finden sich Menschen, die sich am Erwerb der weiteren Kunstwerke beteiligen.

Neumarktkirche Merseburg

Neumarktkirche Südseite mit Blick zum DomNeumarktkirche Innenansicht Ottonengruppe

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Fotos: Wolfgang Kubak