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Die Geschichte der Stadt Zeitz

Die Geschichte der Stadt Zeitz

Hanna Glietz

Durch Zufall habe ich einen kleinen Film über eine Stadt entdeckt, die im Süden Sachsen-Anhalts, im Tal der Weißen Elster liegt. In dieser Region leben viele Nachfahren Luthers und deshalb wurde die Stadt im Jahr 2001 zum Hauptsitz der Lutheriden-Vereinigung erkoren. Sie hat einen allzu traurigen Wandel hinter sich und zeigt genau das Bild, das viele sich vorstellen, wenn Sie den Namen Sachsen-Anhalt hören.

In diesem Artikel sollen Sie kurz in die Geschichte dieser Stadt eingeführt werden. Aber vielleicht schauen Sie sich zunächst den kurzen Film an und lassen die Eindrücke auf sich wirken. Eindrücke aus einem Film über die Stadt Zeitz.
Foto von pixelio.de: Fotograf telemarco (Marco Banebeck)
Foto von pixelio.de: Fotograf telemarco (Marco Banebeck)

Zeitz war einmal eine blühende Stadt.
Von 1652 bis 1718 war sie die Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Zeitz. Als Residenz diente das Schloss Moritzburg, dessen Schlossgarten im Zuge der ersten Landesgartenschau Sachsen-Anhalts im Jahr 2004 neu gestaltet wurde. Heute wird dieser Schlossgarten für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt. Beispiele dafür sind das Lichterfest und die Köstritzer Schwarzbiernacht.

In Zeiten der Industrialisierung war Zeitz eine sehr lebendige Stadt. Zunächst siedelte sich die Zeitzer Eisengießerei und Maschinenfabrik AG (ZEMAG) an, deren Gebiet die Braunkohleveredelung und der Bau der dazu benötigten Maschinen war. Im Jahr 1858 wurde die Zuckerfabrik Zeitz eröffnet, die noch heute produziert. Ein Jahr später erhielt die Stadt Eisenbahnanschluss an die Strecke von Weißenfels nach Gera und später nach Altenburg und Leipzig.
Die Brikettfabrik Hermannsschacht, die heute noch als Industriedenkmal von einem Verein gepflegt wird und für Besucher zugänglich ist, wurde im Jahr 1889 gegründet. Die Fabrik ist heute die älteste erhaltene Brikettfabrik der Welt.
Zeitz war außerdem für seine Klavier-, Holzwaren- und Kinderwagenindustrie weitreichend bekannt. Ein Kinderwagenmuseum ist heute im Schloss Moritzburg zu besichtigen. 

Eine Drahtseilbahn, die mit zwei gegenläufigen Wagensträngen von der Unterstadt in die Oberstadt führte, war zu ihrer Zeit eine große Sensation, denn sie war die erste Standseilbahn Deutschlands. Im Jahr 1960 wurde die Anlage allerdings vollständig demontiert.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Zeitz drei Filmtheater: das Capitol, das Metropol und die Zentralhalle. Heute ist nur noch das Capitol geöffnet und veranstaltet verschiedene Kabarettstücke, Lesungen usw. Im Franziskanerkloster wurde zudem das Theater Kürbiskern eröffnet und zeigt seinen Besuchern einige große Geschichten.
Die Stadt selbst hat auch zu den Zeiten des Nationalsozialismus viele Geschichten zu erzählen. Das Gewandhaus diente als Sitz der Gestapo, in welchem viele politische Gegner, Kritiker des Regimes und verschiedene andere Gruppen misshandelt wurden. Im Nordosten der Stadt errichtete man damals das Hydrierwerk um Treibstoffe herzustellen. In diesem Werk arbeiteten viele Häftlinge des Außenlagers Wille, das dem KZ Buchenwald unterstellt war.
Die ursprünglich als Bierlager dienenden Katakomben der Altstadt wurden im Zweiten Weltkrieg erweitert und dienten als Luftschutzbunker. Das Gangsystem geht bis in 12 Meter Tiefe und ist noch heute nicht vollständig erforscht.
Nach der Befreiung der Stadt im April 1945 und der späteren Übergabe an die Sowjetunion wurde die bis dahin kreisfreie Stadt Zeit 1950 in den Kreis Zeitz eingegliedert, der später dem neu gegründeten Bezirk Halle angehörte. Seit 1994 gehört Zeitz zu dem heute bestehenden Burgenlandkreis.
Dadurch, dass Zeit bis 1990 ein industrieller Mittelpunkt war, entstanden viele Neubaugebiete (Völkerfreundschaft, Zeitz-Ost). Doch auch schon damals zerfiel die Zeitzer Altstadt zunehmend. Die mittelalterlich geprägten Straßenzüge haben heute nichts mehr von dem Glanz ihrer historischen Bausubstanz.
Ein weiterer trauriger Höhepunkt in der Geschichte der Stadt war der Tag, an dem sich der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz vor der Michaeliskirche, aus Protest gegen das Regime und das Verhalten der Kirche unter der Führung der DDR, anzündete und verbrannte. Durch seinen Freitod zum Nachdenken angeregt, verfasste die evangelische Kirche einen Brief, der neue kritische Standpunkte hervorbrachte. Dieser wurde in allen Gemeinden verlesen.
So viele schöne Seiten die Wiedervereinigung hatte, für die Stadt Zeitz bedeutete sie nicht nur Gutes. Nach der Widervereinigung Deutschlands blieben in Zeitz lediglich drei industrielle Standbeine bestehen. Die Zuckerfabrik, Zetti (heute nicht mehr in Zeitz) und die ZEMAG (produzierte noch bis 2004). Nach vielen Jahren Leerstand der Hallen der ZEMAG übernahm die Zeitzer Guss GmbH die Betriebsstätte, was zu einem massiven Beschäftigungsverlust führte, der ¼ der Bevölkerung dazu zwang die Stadt zu verlassen.
1996 entstand auf dem Gebiet der historischen Domfreiheit das Brühl-Center, das viele Geschäfte und ein Kino beherbergte. Im Jahr 2011 wurde das Objekt zwangsversteigert. Heute sind im Objekt keine Geschäfte mehr vertreten. 2012 konnte allerdings das Kino wieder eröffnen und auch eine Bowlingbahn ist jetzt im Brühl-Center zu finden.
Zeitz weist heute eine hohe Arbeitslosenquote auf, was zu weiterem Einwohnerrückgang und Leerstand führt. Deshalb ist das Bild der Stadt heute von Abrissflächen und Ruinen geprägt.
Die einst so blühende Stadt hat sich, durch viele ungünstige Einflüsse immer mehr zum Schlechten gewandelt. Aber wer weiß? Vielleicht kommen die Blütezeiten noch einmal wieder...